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Ein Wort zum Abschied


Der ÖBSV braucht Schiedsrichter!

Ja, ich weiß, der ÖBSV hat eine ganze Menge Schiedsrichter, sogar mehr, als zum Einsatz kommen können. Was ich aber meine ist: Der ÖBSV braucht kompetente, aktive und motivierte Schiedsrichter, Schiedsrichter, die als Team denken und handeln. Und von solchen Schiedsrichtern hat der ÖBSV entschieden zu wenige!

Der ÖBSV braucht kompetente Schiedsrichter!

Die Zeiten sind schwierig für Schiedsrichter, die, so wie vom ÖBSV erwartet, mit den Regelwerken der FITA, der IFAA und des ÖBSV vertraut sein sollten. Natürlich sollen die Schiedsrichter die Auslegungen der Regeln und deren Anwendung beherrschen, und selbstverständlich sollten sie die aktuellen Änderungen sofort nach deren Erscheinen bereits im nächsten Turnier umsetzen. Dazu kommen noch die Bylaws speziell der FITA, Anfragen und die Regelauslegungen der Komitees, neue Materialien, die die Grenzen des Regelwerks allzu oft ausloten, der Bereich FITA-3D, der einem ständigen Umbau unterworfen ist, und, und, und …

Aber der Schiedsrichter wird damit nicht allein gelassen. Es gibt ja die Infos des ÖBSV, das jährliche Schiedsrichterseminar und natürlich das Internet. Wer also bereit ist, wöchentlich mindestens 2 Stunden in Recherche und Fortbildung zu investieren, der bleibt so einigermaßen auf dem Laufenden!

Und das ist auch notwendig! Damit ein Turnier aus dem Ruder läuft, müssen Veranstalter, Schützen und Schiedsrichter daneben hauen. Gehen wir mal davon aus, dass Veranstalter in der Regel ihre oder die Interessen der Schützen vertreten und diese selbst wiederum erstmal primär ihre Sorgen und ihre Vorteile im Auge haben, dann bleibt nur der Schiedsrichter, um für einen ordnungsgemäßen Turnierablauf zu sorgen. Fehler wirken sich fatal aus, Fehlentscheidungen führen sofort zu Unruhen, und Schützen die sich ungerecht behandelt fühlen, werden in der Regel nicht zugunsten eines ruhigen Turnierablaufes zurückstecken.

Der Schiedsrichter ist gefordert, sowohl in Bezug auf Regelkenntnis und Regelauslegung als auch in Bezug auf soziale Kompetenz, also Entscheidungen klar zu formulieren, diese zu vertreten und dazu zu stehen. Letzteres sind Eigenschaften, die nicht zwangsläufig über den Beruf erworben werden. Vieles davon beruht auf Erfahrung, die man sich nur über die aktive Ausübung der Schiedsrichtertätigkeit erwerben kann. Und dies führt zu meiner zweiten Forderung:

Der ÖBSV braucht aktive Schiedsrichter!

Wie in Österreich ein Staatsmeisterschaftsfinale abgewickelt wird, lässt sich in mühevoller Recherche aus diversen Quellen ermitteln. Und dennoch hat sich abseits der Regeln ein "Status quo" etabliert, wie Regeln angewendet werden und wie wann welche Kompromisse getroffen werden. Das erfordert Fingerspitzengefühl und natürlich das Wissen aus der Praxis, und das besitzen wiederum nur aktive Schiedsrichter!

Veranstalter und einige Schützen bedürfen spezieller Aufmerksamkeit und "Pflege". Auch dies ist ein Wissen, das man sich nicht durch Studium der Regelwerke erwerben kann.

Und auch die Selbstverständlichkeit der Umsetzung und Anwendung von Regelauslegungen erwirbt man sich nur durch Praxis. Zahlreiche Wertungen an den Scheiben, böse Worte von Schützen und Hinweise von Kollegen bilden im Laufe der Jahre den Erfahrungsschatz eines Schiedsrichters. Daraus schöpft er letztendes das Selbstbewusstsein, mit dem er sich einem "Zweifelsfall" nähert und dies lässt ihn die klare Wertung treffen, die von allen Beteiligten ohne weitere Diskussion akzeptiert wird.

Und schließlich sollten die Schützen ihre Schiedsrichter kennen! Bereits die Anwesenheit erfahrener und "schlachtenerprobter Haudegen" wie einem Johann Reiter, um nur einen stellvertretend zu nennen, reduziert die Zahl eingehender Proteste deutlich! Die Schützen haben Vertrauen und wissen, sie sind in guten und fairen Händen.

Fortbildung kostet Zeit, Seminare kosten Zeit, Turniereinsätze kosten Zeit - in der Regel immer kostbarer werdende Freizeit! Damit jemand bereit ist, diese Zeit zu investieren, bedarf es einer guten Portion Aufopferungsbereitschaft. Und das führt mich zu dritten Forderung:

Der ÖBSV braucht motivierte Schiedsrichter!

Motivation erfordert Anerkennung! Anerkennung der Tätigkeit an sich, Anerkennung der Leistung, Anerkennung durch den ÖBSV, den Schiedsrichterreferenten bzw. die Referentin, durch Veranstalter und Schützen. Ich meine hier nicht den routinemäßigen Dank an die Schiedsrichter bei Turnierende mit dem wohlwollenden Beifall der Schützen. Ich spreche hier auch nicht von Lob, sondern von Anerkennung. Welcher ÖBSV-Schiedsrichter hat zuletzt eine Anerkennung erhalten für 25 Turniereinsätze, 10 geleitete Staatsmeisterschaften oder 10 Jahre ÖBSV-Schiedsrichter? Lasst mich nachdenken, da war …

Was ich positiv und mit großem Respekt vermerke, sind die Bemühungen unserer Präsidentin Trudy Medwed. Beim letzten Seminar hat es Dank ihrer Initiative erstmalig Urkunden für die Teilnahme gegeben, was mich aufrichtig gefreut hat. Und es gibt jetzt wieder eine offizielle Schiedsrichterbekleidung bestehend aus Blouson und Leibchen. Natürlich muss jeder Schiedsrichter dafür selbst in die Tasche greifen, aber dennoch verdient diese Aktion Anerkennung!

Sicher kein Motivationsschub ist die Bezahlung, aber Geld ist selten ein guter Motivator. Wohl aber kann es die Freude sein, in einem engagierten Team einen guten Job hingelegt zu haben. Dieses Gefühl war oft das einzige, was ich als positive Erfahrung aus Turnieren mitnahm. Mit Kolleginnen und Kollegen wie Reiter, Mlinaric, Goebel, Grube, Edinger, Gstrein oder Knotek, um nur einige zu nennen, war es immer eine Freude, eine Herausforderung abseits des Büroalltags gemeistert zu haben. Und jedes Turnier ist wieder eine neue Herausforderung, jedes Mal aufs Neue! Das Entscheidende dabei war immer, dass wir als Team aufgetreten sind. Und das führt mich zu meiner vierten Forderung:

Der ÖBSV braucht Schiedsrichter, die als Team denken und handeln!

Sich auf einander verlassen können und für einander da sein, im Team denken und im Team handeln, als Team auftreten und gemeinsam die Probleme bewältigen! Zu wissen, dass der andere sich auf das Turnier vorbereitet hat, sein Handwerk versteht, seinen Job macht, bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Zu wissen, dass im Zweifelsfall die Kollegen hinter einem stehen und auch mal einen deiner Fehler ausbügeln und nicht ihn anprangern. Deine eigene Schwächen durch ihre Stärken kompensieren und nicht diese ausnutzen, um sich selbst zu profilieren. In einem solchen Team zu agieren, ist eine feine Sache! Die Voraussetzung für eine solche Teambildung ist aber u.a. die Kompetenz, Erfahrung und Motivation der Kollegen. Dann, und nur dann, wird Schiedsrichter sein zur Erfüllung bringt die Schiedsrichter hervor, die der ÖBSV so dringend benötigt.

Ich selbst bringe nicht mehr die Zeit und auch nicht mehr die Energie auf, mich dieser Herausforderung zu stellen. Den Bogensport, dem ich mehr als 20 Jahre in allen möglichen Funktionen gedient habe, kann ich mit den an mich beruflich gestellten Ansprüchen nicht mehr vereinbaren. Nach meinem Rücktritt als Präsident des Salzburger Bogensportverbandes werde ich auch das Amt als Schiedsrichter zurücklegen. Abschied ist dabei möglicherweise das falsche Wort, vermutlich wird es nur eine Pause sein, allerdings eine für mehrere Jahre.

Bedanken möchte ich mich bei allen, deren Freundschaft mir über Jahrzehnte hindurch viel bedeutet hat, insbesondere aber meinen Schiedsrichterkollegen Johann Reiter und Stefan Mlinaric sowie der Familie Puregger, die für mich über lange Zeit Bezugspunkt, Anker und Energiequelle zugleich waren.

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