| | |

Übersicht      <<      2007 (4)      >> 

Finalschießen (Scheibe/Mannschaft)


In meinem letzten Artikel bin ich auf das Finalschießen im Einzelbewerb eingegangen. Diesmal will ich mich mit dem Mannschaftsschießen auseinandersetzen, wobei hier die Gegebenheiten in Österreich im Vordergrund stehen.

Wann wird ein Finalschießen durchgeführt?

Ob ein Mannschaftsfinale stattfindet, kündigt der Veranstalter in der Ausschreibung an. Bei ÖBSV-Meisterschaften wird jedenfalls ein Staatsmeistertitel im Mannschaftsbewerb vergeben und dazu ein Finale als getrennter Bewerb ausgetragen.

Wie qualifiziert sich eine Mannschaft für ein Finale?

Laut FITA-Reglement qualifizieren sich die besten 8 oder 16 Mannschaften über die Qualifikationsrunde im Einzelbewerb für das Finale. Die Ergebnisse der einzelnen Mannschaftsmitglieder werden addiert und über die Summe eine Reihung festgelegt.

Bei Meisterschaften in Österreich hingegen erfolgt die Qualifikation derzeit über eine eigene Qualifikationsrunde, die wir als Grunddurchgang bezeichnen. Die Mannschaften werden vom jeweiligen Landesverband genannt. Alle genannten Mannschaften schießen in der Regel 2 Passen zu je 6 Pfeilen. Ggf. wird eine Abweichung von dieser Regel (Passen, Anzahl Pfeile) vor Beginn durch den Hauptschiedsrichter bekannt gegeben. Für das Finale qualifizieren sich dann die 4 oder 8 (in Ausnahmefällen auch einmal 16) besten Mannschaften aus dem Grunddurchgang. Die Anzahl der am Finale teilnehmenden Mannschaften wird vorab von einer Jury basierend auf der Anzahl der genannten Mannschaften bestimmt, wobei sowohl eine geringere (einige Mannschaften scheiden im Grunddurchgang aus) als auch eine höhere Anzahl (es gibt Freilose im Finale) möglich sind.

Die Ergebnisse der einzelnen Schützen aus der Qualifikationsrunde des Einzelbewerbs sind hier ausdrücklich ohne Bedeutung. Es gab national bereits mehrfach Diskussionen, diese Art der Qualifikation zu streichen und durch die international übliche Qualifikation über den Einzelbewerb zu ersetzen. Die Pro und Kontra hier zu diskutieren würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wie läuft das Finale grundlegend ab?

Im Finale schießen wie im Einzelbewerb je zwei Mannschaften gegeneinander. Der Sieger aus einer Paarung steigt in die nächste Runde auf, wo er auf den Sieger einer anderen Paarung trifft. Die Paarungen ergeben sich aus der Reihung aus dem Grunddurchgang. Die Position auf der Schießlinie ergibt sich aus der Auswahltabelle und wird vom Schiedsrichter bekannt gegeben. Die Begegnungen werden in der gleichen Form fortgesetzt, bis der Sieger feststeht. Auf ein echtes Finale, wie in den Regeln der FITA beschrieben, mit Wechsel beim Schießen verbunden mit dem Anhalten der Zeit nach 3 Pfeilen, wird in Österreich in der Regel verzichtet.

Und wie sieht es im Detail aus?

Jede Mannschaft besteht aus jeweils 3 Schützen. Die 3 Mitglieder schießen in beliebiger Reihenfolge je 2 Pfeile. Dazu stehen der Mannschaft 2 Minuten zur Verfügung.

Im Abstand von einem Meter wird hinter der Schießlinie eine weitere Linie gezogen, die als 1-Meter-Linie bezeichnet wird. Alle Schützen befinden sich vor dem Signal zum Start der Passe hinter dieser Linie. Erst mit dem Signal für den Beginn der Schießzeit, wenn also die Zeitmessung zu laufen beginnt, tritt der erste Schütze an die Linie und beginnt mit dem Schießen. Nachdem er einen oder seine beiden Pfeile abgeschossen hat, kehrt er hinter die 1-Meter-Linie zurück. Erst nachdem er diese Linie überquert hat, darf der nächste Schütze an die Schießlinie vorgehen, sodass sich stets nie mehr als 1 Mitglied der Mannschaft vor der 1-Meter-Linie befindet. Der Wechsel wiederholt sich, bis jeder Schütze seine beiden Pfeile geschossen hat. (vgl. §7.5.2.3)

Rollstuhlschützen bleiben auf der Linie, legen aber den Bogen auf den Schoß zum Zeichen, dass sie das Schießen beendet haben.

Wann darf der Pfeil eingenockt werden?

Ein Schütze darf seinen Pfeil erst aus dem Köcher ziehen, wenn er auf der Schießlinie steht. Allerdings darf er bereits im Bereich hinter der 1-Meter-Linie den Pfeil umfassen und im Köcher leicht anheben, falls er dies als vorteilhaft erachtet. Der Pfeil bleibt dabei aber noch im Köcher. Damit ist auch klar, dass der Pfeil erst auf der Schießlinie eingenockt werden kann, alles andere wäre ein Kunststück.

Was passiert bei Ringgleichheit?

Sollten die beiden Mannschaften einer Paarung nach den beiden Durchgängen, also nach den 12 Pfeilen, ringgleich sein, dann wird gestochen. Jedes Mitglied der Mannschaft schießt in diesem Fall einen Pfeil. Der Ablauf innerhalb der Passe folgt dem Ablauf wie oben beschrieben. Für die 3 Pfeile steht der Mannschaft eine Zeit von 1 Minute zur Verfügung.

Das Stechen wird bei Ringgleichheit ggf. wiederholt. Sollte auch im 3. Stechen noch Ringgleichheit herrschen, dann entscheidet der Pfeil der dem Zentrum am nächsten steckt über den Sieg. Die weiteren Details dazu sind in §7.6.5.2.3 beschrieben.


Auf die Verwendung der gelben und roten Karten werde ich dann in einem der nächsten Artikel eingehen.

Übersicht      <<      2007 (4)      >>