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Schiedsrichterseminar Sattledt, 03.-04.02.2007


Fortbildungsseminare für Österreichs ÖBSV-Schiedsrichter - seit Jahren wird dies von vielen vermisst, von einigen Schiedsrichtern mit Nachdruck gefordert, zumal zumindest theoretisch der regelmäßige Besuch solcher Seminare für den Erhalt der Lizenz erforderlich ist.

Als Vorstandsmitglied der EMAU ließ die Präsidenten des ÖBSV Trudy Medwed ihre Beziehungen spielen und es gelang ihr, einen der erfahrensten Schiedsrichter der FITA, den Luxemburger Pol Ney für ein Schiedsrichterseminar in Österreich zu gewinnen. Pol Ney war bereits als Hauptschiedsrichter bei Weltmeisterschaften tätig und kann auf mehrere Einsätze bei Olympischen Spielen, darunter die Spiele in Athen 2004 zurückblicken. Seit 2004 ist Pol Ney Vorsitzender des Schiedsrichterkomitees der EMAU.

Pol Ney
Vorsitzender des Schiedsrichterkomitees der EMAU

Der ÖBSV lud ein, aber gerade mal 11 der rund 60 ÖBSV Schiedsrichter nutzten diese auf lange Zeit hinaus vielleicht einzigartige Möglichkeit. Die Gründe für die geringe Teilnahme zu erörtern wäre hier müßig. Sicherlich kein Grund waren Bedenken die Sprache betreffend. Pol Ney hielt seinen Vortrag in perfektem Deutsch.

Bereits eingangs des Seminars erläuterte Pol Ney, was er von einem Schiedsrichter erwartet. Dazu gehören etwa höfliches Benehmen sowie ausgezeichnete Kenntnisse des Reglements, und in all dem ging er selbst mit bestem Beispiel voran.

In seinem Vortrag legte Pol Ney den Schwerpunkt auf den Bereich FITA Scheibe. Der Themenbereich FITA Feld wurde nur fallweise gestreift. Der Bereich 3DI kam erst in den Fragen der Zuhörer am Ende des Seminars zur Sprache. Die hier vorgebrachten Fragen zu 3DI machten deutlich, dass die FITA hier noch gefordert ist, Klarheit ins Reglements zu bringen.

Fast alle Teilbereiche des Regelwerks wurden kurz angerissen. Schwerpunktmäßig herausgegriffen wurden von Pol Ney u.a. die Gerätekontrolle, die Ausrüstung des Schützen und die Ausrüstung und Kontrolle des Wettkampffeldes. Behandelt wurden weiters die Themen Proteste sowie die Position auf der Schießlinie von der Auslosung bis zum Finale. Mit Fotos aus Turnieren versuchte Pol Ney den Bezug von der Theorie zur Praxis herzustellen.

Die Wertung speziell der Dreifachauflage wurde ausführlich in Theorie und Praxis behandelt. Dazu ging Pol Ney hier auch auf das Gebaren des Schiedsrichters bei der Wertung selbst ein.

Die Ausrüstung des Schiedsrichters, Zeiten und Zeitkontrolle und das Training waren weitere Themen. Der Frage, wann gilt ein Pfeil als nicht geschossen, wurde ausreichend Raum eingeräumt. Interessant war es, etwas über das Mannschaftsschießen im Finale im "Ping-Pong"-Modus zu erfahren, das in Österreich in dieser Form nicht durchgeführt wird. Ebenfalls umfassender und aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt wurde das Thema Strafen mit Verwarnung, Pfeilabzug und Disqualifikation eines Schützen.

Für die Schützen interessant ist sicher die Klarstellung der FITA, dass der Schütze mit seiner Unterschrift am Scoreblatt die Wertung der Pfeile nicht aber die korrekte Berechnung des Ergebnisses unterschreibt. Korrekturen sind hier also nachträglich im Zuge der Kontrollen durchaus möglich. Anders ist dies in den Finalrunden. Hier unterschreibt der Schütze Wertung und Gesamtsumme. Diese Summe entscheidet über den Aufstieg. Ein nachträglicher Protest gegen einen Fehler in der Berechnung ist somit nicht mehr möglich.

Die angerissenen Themen decken sich im Wesentlichen mit den Inhalten der Ausbildung zum ÖBSV-B-Schiedsrichter, werden dort allerdings in zahlreichen Bereichen deutlich detaillierter behandelt. Während bei der Ausbildung zum ÖBSV-B-Schiedsrichter mehr Wert auf die Anwendung der Regeln im Rahmen von ÖBSV-Turnieren gelegt wird, ging Pol Ney auf die Umsetzung im Bereich der FITA ein. Behandelt die ÖBSV-Ausbildung die Anzahl der einzusetzenden Schiedsrichter bei einem A-Turnier, erzählte Pol Ney über die Schiedsrichterbesetzung bei einer WM oder EM. Anstelle der speziellen Regelungen für die Jury gemäß WKO, wurde im Seminar die Jury of Appeal gemäß FITA-Regelung betrachtet. Wird im ÖBSV-Seminar der Weg zum ÖBSV-A-Schiedsrichter aufgezeigt, so wurde im Seminar der Weg zum Kontinentalen Schiedsrichter der EMAU bzw. dem Internationalen Schiedsrichter der FITA erläutert.

Die Teilnehmer am Seminar in Sattledt 2007.

Entgegen den in ihrem Inhalt dicht gedrängten Ausbildungsseminaren des ÖBSV mit mehr oder weniger starker Ausrichtung auf österreichische Verhältnisse und wenig Freiraum zur Diskussion, bot dieses Wochenende eine Fülle von Einblicken in die Regelauslegung und Anwendung der Regeln im Rahmen internationaler Turniere, bot eine Auffrischung und insbesondere die Aktualisierung möglicherweise eingestaubter Regeln, und erlaubte den Gedankenaustausch in größerer Breite, als dies bei einem Ausbildungsseminar der Fall sein kann. Es bleibt zu hoffen, dass solche Seminare in Zukunft wieder regelmäßigen Einzug in das Programm des ÖBSV halten werden.

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