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Wertung in anderen Geräteklassen


Neben der Wertung in anderen Altersklassen gibt die Wertung in anderen Geräteklassen gelegentlich Anlass zu Diskussionen. Primär stellt sich die Frage, ob bei einer ÖSTM ein Blankbogenschütze im Finale um den Titel eines Staatsmeisters Recurve Indoor mitschießen darf. Eine Analyse der Regelwerke zeigt, dass die Sachlage nicht so klar ist, wie vermutet.

Beginnen wir bei den Regeln der FITA. In der deutschen Übersetzung wird hier der Begriff Schießdisziplin verwendet, ich will aber den in Österreich gebräuchlichen Ausdruck Geräteklassen beibehalten. Sieht man von dem bei uns wenig bekannten Standardbogen ab, unterscheidet die FITA folgende Geräteklassen (FITA Buch 1, §4.3): Im Bereich FITA Scheibe (Outdoor und Indoor) den Recurve- und den Compoundbogen, im Bereich Feldbogenschießen zusätzlich den Blankbogen, den Langbogen und die Geräteklasse Bowhunter.

Jede dieser Geräteklassen wird in entsprechenden Abschnitten des Regelwerks exakt definiert und muss bestimmten Kriterien entsprechen. Ein Sportgerät, dass den Bestimmungen für den Blankbogen genügt, erfüllt automatisch auch die Regeln für den Recurve-Bogen. Der Blankbogen ist damit ein Bogen der Geräteklasse Recurve, der zusätzlichen Einschränkungen unterliegt. Mit einem Langbogen könnte man theoretisch in der Blankbogenklasse starten.

Der Compoundbogen definiert sich durch die Verwendung eines Systems von Umlenkrollen und Kabeln zur Reduktion des Zuggewichts im vollen Auszug. Geht man von dem englischen Original der Regeln aus, so handelt es sich dabei um eine Definition und keine "Kann"-Bestimmung, womit der Recurvebogen in seiner Grundkonstruktion dem Compoundbogen nicht genügt. Jede Art der vorweg beschrieben Geräteklassen genügt der Bowhunter-Disziplin.

Eine Wertung in einer anderen Geräteklasse kommt im Bereich der FITA aber ohnedies nicht zum Tragen. Der Schütze meldet vor dem Start die Geräteklasse und die Schiedsrichter prüfen, ob die Ausrüstung den Bestimmungen genügt. Ein nachträglicher Wechsel ist undenkbar, dies verbieten schon unterschiedliche Entfernungen, Auflagen oder Gerätebestimmungen.

Im Prinzip gilt dies auch für Österreich, jedoch anerkennt der ÖBSV darüber hinaus die Geräteklasse Blankbogen und Langbogen sowie die Geräteklasse "Traditioneller Recurvebogen" für den Bereich Scheibe Outdoor und Indoor (WKO, §13.6, §14.4). Theoretisch könnte ein Schütze in der Klasse Recurve starten, obwohl seine Ausrüstung den einschränkenden Bedingungen der Geräteklasse Blankbogen, Langbogen oder Traditioneller Recurvebogen genügt.

Bei ÖSTM ist der Veranstalter angehalten, ähnlich dem Auffüllen der Altersklassen auf mindestens 3 Starter auch bei den Geräteklassen zu versuchen, eine Umstufung in eine „höhere“ Geräteklasse zu erreichen. Diese Umstufung gilt, sofern der Schütze überhaupt dazu bereit ist, für das gesamte Turnier und erfolgt in jedem Fall noch vor dem Schießbeginn.

Damit nun zur Eingangs gestellten Frage, ob ein Blankbogenschütze in der Klasse Recurve Indoor Staatsmeister werden kann. Aus obigen Erläuterungen sollte klar sein, dass es jedem Blankbogenschützen freisteht, in der Klasse Recurve an den Start zu gehen. Damit aber verzichtet er automatisch auf eine Wertung in der Klasse Blankbogen. Bleibt noch die Frage, ob Blankbogenschützen in der Klasse Recurve für ein Finale zu berücksichtigen sind. Die Entfernung ist zwar gleich, jedoch unterscheiden sich die verwendeten Auflagen. Der Blankbogenschütze schießt auf eine 40cm-Auflage (WKO § 14.3), die Recurveschützen auf die 40cm-Dreifachauflage (WKO, §14.2). Die Auflage ist vorgeschrieben, ein freiwilliger Wechsel auf eine Dreifachauflage ist in den Bestimmungen nicht vorgesehen, womit sich nach strenger Auslegung der Regeln die Diskussion um Berücksichtigung im Finale der Klasse Recurve erübrigt.

Als Schiedsrichter und Schütze bringe ich durchaus Verständnis für Blankbogenschützen auf, die anstelle der Einfachauflage die Dreifachauflage vorziehen, zumal sie damit auf die Wertung einer "5" verzichten. In Erinnerung ist mir auch noch die Regelung in der WKO vor 2000 bzgl. der Berücksichtigung der Klasse Blankbogen im Finale der Klasse Recurve, demnach "Die Bogenklasse Barebow kann ... sinngemäß in der Bogenklasse Olympic gewertet werden." Dieser Absatz ging aber im Zuge einer "Regelvereinfachung" verloren, womit dieser Teil der Regeln in der Luft hängt. Damit ergibt sich die Möglichkeit einer Regelauslegung, die je nach Veranstaltung, Schiedsrichterbesetzung und Juryentscheid anders ausfallen kann. Hier ist die Länderkonferenz aufgerufen, durch eine entsprechende Regelung Stellung zu beziehen und weitere Diskussionen zu beenden.

Jedenfalls darf ich an dieser Stelle allen Blankbogenschützen meinen uneingeschränkten Respekt ausdrücken, die mit ihren Leistungen in der Lage wären, um den Staatsmeistertitel in der Klasse Recurve mitzumischen.

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