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Sicherheit in der Verantwortung des Schützen


Einer der elementaren Teile jedes Anfängertrainings ist das Kapitel Sicherheit. Dem Neuling wird eingeschärft, dass ein Sportbogen noch immer eine Waffe darstellt und bei unsachgemäßer Handhabung entsprechende Gefahr von ihm ausgeht. Ihm wird klar gemacht, dass wir nur gemeinsam zum Scoren an die Scheibe gehen, uns beim Ziehen der Pfeile nicht unmittelbar hinter einem ziehenden Schützen aufhalten und viele andere Dinge mehr.

All diese Regeln dienen primär der eigenen Sicherheit bzw. der Sicherheit am Trainingsplatz. Einige Bestimmungen zum Thema Sicherheit finden sich auch in den Regeln der FITA bzw. in der WKO des ÖBSV. Ein Großteil dieser Regeln betreffen Organisatoren, Schießleiter und Schiedsrichter und legen Sicherheitsstandards etwa für den Aufbau eines Parcours fest.

Auch wenn der Wettkampfplatz bzw. der Parcours vom Schiedsrichter abgenommen wurde und alle erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, bleibt die letzte Verantwortung stets beim Schützen. Jeder Schütze hat sich vor dem Ausziehen des Bogens mit eingelegtem Pfeil davon zu überzeugen, dass "das Wettkampffeld vor und hinter den Scheiben frei ist" (§7.7.3). Dies gilt analog für das Feldschießen soweit eine Kontrolle auf Sicht möglich ist. Sollte also ein Zuschauer in seiner Begeisterung der Scheibe zu nahe rücken, dann ist das Schießen einzustellen. Selbst wenn der Zuschauer mutwillig eine Absperrung übertreten hat, nimmt dies den Schützen nicht aus der Verantwortung. Das ist in der Regel allen Schützen einsichtig.

Schwieriger wird es da schon mit der nachfolgenden Regel: "Kein Schütze darf seinen Bogen mit oder ohne Pfeil ausziehen, wenn er nicht auf der Schießlinie steht" (§7.7.3). Diese Regel wird speziell beim Zusammenbau des Bogens immer wieder gerne gebrochen. Ich meine damit nicht das leichte Aufziehen und Lösen der Sehne um wenige Zentimeter, sondern das kräftige Spannen bzw. Überspannen des Bogens. Keine Frage, dies ist ein Zeichen der Verantwortungslosigkeit gegenüber den anderen Schützen. Sollte durch ein Gebrechen der Sehne ein Wurfarm aus seiner Aufnehmung katapultiert werden, dann wird ein Richter sicher kein Verständnis dafür aufbringen, dass man damit habe "nicht rechnen können".

Des weiteren darf "beim Spannen des Bogens der Wettkämpfer keine Technik verwenden, die es möglich macht, dass ein unbeabsichtigt gelöster Pfeil über die Sicherheitsvorkehrungen hinaus fliegt" (§ 7.7.7, §9.7.5). Diese Regel ist insbesondere bei Bergab-Schüssen im Gelände zu berücksichtigen. Kaum eine Bergab-Scheibe bietet beim waagrechten Ausziehen (und anschließendem nach unten Kippen zur Beibehaltung seines "T") einen ausreichenden Pfeilfang.

Der eigenen Sicherheit dient nachfolgende Regelung in der WKO des ÖBSV für den Feldschützen (§ 22.10): "Werden von Schützen Pfeile hinter der Scheibe gesucht, muss sich mindestens ein Mitglied der Gruppe vor der Scheibe befinden, sodass nachfolgende Gruppen sehen können, dass die Scheibe nicht frei ist." Das man auch das Scoren so durchführt, dass man von einer nachfolgenden Gruppe gesehen wird, ergibt sich in der Regel automatisch.

Generell möchte ich noch ergänzen, dass es trotz sorgfältiger Abnahme des Kurses zu Sicherheitsmängeln am Parcours kommen kann. Wer immer herabgerissene Absperrungen, das Entfernen von Warntafeln etc. beobachtet, möge dies bitte umgehend einem Schiedsrichter oder dem Veranstalter melden. Eine solche Meldung unterscheidet sich dabei selbstredend von einem Protest. Dennoch wäre auch das Einreichen eines Protestes zum Thema Sicherheit denkbar, etwa wenn sich ein Schütze weigert, eine freigegebene Scheibe zu beschießen, da aus seiner Sicht die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend gegeben sind.

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