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Doping


Zunächst einmal stellt sich die Frage, was ist Doping eigentlich? Die Antwort ist einfach, Doping ist die Einnahme verbotener Substanzen.

Bei Doping denken viele vorerst nur an die Einnahme von Dopingsubstanzen zur unerlaubten Leistungssteigerung. Ziel ist in diesem Fall eine Beschleunigung des Muskelwachstum, eine Erhöhung der Belastbarkeit oder die Verkürzung der Regenerationszeiten. Gerade im Hochleistungssport möchte man die mit herkömmlichem Training erreichten Leistungsgrenzen künstlich nach oben schieben. Dass diese Form des Dopings nicht nur dem Körper schadet, sondern auch moralisch und ethisch verwerflich ist, steht hier nicht zur Diskussion.

Allerdings ist vielen Sportlern oft nicht unmittelbar bewusst, dass sie sich dopen. Wer denkt schon bei der Einnahme eines Hustensaftes an Doping? Alleine schon der Genuss von Kaffee ist ein echtes Risiko insbesondere für leichte Personen. Bei einem Körpergewicht von etwa 70kg reichen bereits 2 Braune im Zeitraum von einer Stunde aus, um den erlaubten Grenzwert für Koffein zu überschreiten. Wer dazu noch koffeinhaltige Getränke wie Cola oder gar ein Getränk wie Red Bull zu sich nimmt, um morgens vor dem Wettkampf in die Gänge zu kommen, überschreitet den Grenzwert mit Sicherheit und ist damit gedopt.

Manchmal wissen Sportler aber auch, dass sie verbotene Substanzen einnehmen, meinen aber, da dies auf ärztliche Anweisung erfolge, könnten sie damit nicht als gedopt gelten. Das ist ein schwerer Irrtum! Wer etwa vom Arzt Medikamente gegen Bluthochdruck verschrieben bekommt, dem sollte auch bewusst sein, dass gerade diese Medikamente nicht nur den Blutdruck, sondern auch die Nervosität senken. In der Regel scheinen diese Medikamente in der Liste der verbotenen Substanzen auf. Wer auf solche Medikamente, egal ob als Injektion oder Tablette, angewiesen ist, muss seinen Arzt unbedingt auf den Umstand hinweisen, dass er als Sportler die Anti-Dopingbestimmungen zu beachten hat. Jeder Arzt und Apotheker verfügt über eine Liste der verbotenen Substanzen. Prinzipiell existiert für jedes auf der Dopingliste aufgeführte verbotene Medikament ein anderes, geprüftes und freigegebenes Medikament ohne "Dopingnebenwirkung". Der Arzt kann diese freigegebenen Medikamente ebenfalls der Liste entnehmen.

Wer glaubt, die Bestimmungen dadurch umgehen zu können, dass er den Schiedsrichter über die Einnahme von Medikamenten informiert, befindet sich ebenfalls im Irrtum. Doping fällt alleine in den Verantwortungsbereich des Sportlers, sofern er nicht aufgrund offensichtlichen und übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsums andere Sportler belästigt oder sich und andere gefährdet. In diesem Fall wird der Schiedsrichter eingreifen.

Manchen Schützen, insbesondere im Jagdbogen und 3-D-Bereich, mag die Möglichkeit einer Dopingkontrolle weit weg erscheinen. Im FITA-Bereich ist hier bereits ein recht hohes Bewusstsein erreicht. Beigetragen hat dazu wohl der Umstand, dass zahlreiche Kaderschützen manchmal bereits zum wiederholten Male das Prozedere der Urinabgabe über sich ergehen lassen mussten. Dieses Bewusstsein vermisse ich speziell im Jagdbogen- und 3-D-Bereich.

Durchgeführt werden die Kontrollen durch das Österreichische Anti-Dopingcomité, kurz ÖADC. Das ÖADC wurde 1989 ins Leben gerufen. Ziel des ÖADC ist ein sauberer und fairer Sport. Kontrolliert wurden anfangs nur die Teilnehmer von Wettkämpfen, inzwischen werden Kaderschützen durch die Mitglieder des ÖADC auch im Training regelmäßig unangekündigten Kontrollen unterzogen, ja selbst im Urlaub ist kein Kaderangehöriger vor einer Kontrolle gefeit. Insbesondere bei ÖM und ÖSTM ist jederzeit mit einer Kontrolle durch das ÖADC zu rechnen.

Wer nun meint, davon betroffen seien nur die Kaderschützen, der irrt. Prinzipiell kann jeder, egal ob Wettkämpfer, Funktionär oder sogar Zuschauer durch die Mitglieder des ÖADC einer Kontrolle unterzogen werden. Funktionäre und Zuschauer werden in der Regel aber nur dann kontrolliert, wenn übermäßiger Alkoholgenuß das Verhalten eines Funktionärs auffällig beeinflusst oder auffällige körperliche Merkmale auf die Einnahme unerlaubter Substanzen rückschließen lassen. Außer den Siegern werden üblicherweise weitere Wettkämpfer zufällig zur Kontrolle ausgewählt. Das heißt, auch Teilnehmer in den hinteren Rängen kann es treffen.

Mancher mag nun meinen, dass ihn eine zweijährige Sperre für Wettkämpfe nicht hart trifft – dann verzichtet er eben für zwei Jahre auf Starts bei offiziellen Turnieren (und bei allen Wettkämpfen anderer Sportarten). Ich mache hier aber darauf aufmerksam, dass es österreichische Praxis ist, dass im Falle eines positiven Tests die Laborgebühren von ca. € 800,– vom Verband dem Sportler weiter verrechnet werden!

Wo kann man sich nun über die Anti-Dopingbestimmungen und die Durchführung einer Dopingkontrolle informieren? Nun, alle Mitglieder der BSO sind verpflichtet, Anti-Dopingbestimmungen in ihre Wettkampfbestimmungen aufzunehmen. Auszugsweise sind diese Bestimmungen seit 1994 Teil der Wettkampfordnung des ÖBSV, Kapitel 12. Die WKO des ÖBSV kann kostenlos von der ÖBSV heruntergeladen werden. Weiters erhalten alle Ärzte und Apotheker die aktuellen Listen des ÖADC zugesandt.

Die Veranstalter von ÖBSV-Meisterschaften und FITA-Stern- bzw. Arrowhead-Turnieren, insbesondere jene von Jagdbogen- und 3-D-Veranstaltungen, möchte ich darauf hinweisen, dass es zu ihren Pfichten zählt, für die Möglichkeit einer klaglosen Durchführung der Dopingkontrolle zu sorgen. Dazu zählen die Bereitstellung beheizter Räumlichkeiten mit Tisch und Sesseln und die Bereitstellung sanitärer Anlagen. Gegebenenfalls müssen auch Getränke (Mineralwasser und Fruchtsäfte) vom Veranstalter bereitgestellt werden. Mangelnde Kooperation eines Veranstalters kann die Streichung der Lotto-Toto-Mittel für den ÖBSV zur Folge haben.

Auszug aus der Liste erlaubter Medikamente des ÖADC
(die mit * gekennzeichneten Medikamente sind rezeptpflichtig)

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