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Informationen an der Schießlinie


Es gibt wohl kaum einen Schützen, der sich nicht schon mal vergeblich bemüht hat, den eben geschossenen Pfeil auf der Scheibe zu finden. Ein Fernglas lässt sich oft nicht ruhig genug halten. Ein auf Stativ montiertes Fernrohr ist hier besser geeignet. Seit Jahren bereits ist der Gebrauch von Teleskopen auf Stativ von der FITA gestattet, solange diese für die anderen Wettkämpfer auf der Schießlinie bezüglich des Platzes kein Hindernis darstellen (vgl. § 7.3.1.9, § 7.3.1.10, § 7.3.3.9, § 7.3.3.10 u.a.). Eingebürgert hat sich inzwischen die gemeinsame Benutzung eines einzigen Fernrohrs pro Stand auch dann, wenn wechselweise geschossen wird. Dagegen ist von Schiedsrichterseite natürlich nichts einzuwenden.

Im Feldbogenschießen ist die Verwendung von Ferngläser und Fernrohren gestattet (§ 9.3.1.9, § 9.3.2.9, § 9.3.3.6), vorausgesetzt sie besitzen keine Vorrichtungen zum Schätzen oder vielmehr Messen der Entfernung (vgl. u.a. § 9.3.4.2). Über die Verwendung von Stativen schweigt sich die FITA hier aus, vermutlich weil diese sich im Gelände eher als hinderlich erweisen. Ich denke jedoch, es spräche von Schiedsrichterseite prinzipiell nichts gegen die Verwendung eines Stativs, vorausgesetzt, andere Schützen werden dadurch nicht behindert.

Die Benutzung eines Fernglases oder Fernrohres ist in den Regeln der FITA wie folgt geregelt: Im Gelände darf das Fernglas zu jeder Zeit benutzt werden, also sowohl vor dem ersten als auch nach dem letzten Schuss. Manch alter Haudegen wird sich daran erinnern, dass das nicht immer so war.
Beim Scheibenschießen gilt sowohl in der Halle als auch im Freien die Einschränkung, dass der Schütze unmittelbar nach dem letzten Schuss die Schießlinie zu verlassen hat (§ 7.7.1.1 bzw. § 8.7.1.7). Ausgenommen davon sind in Österreich die Rollstuhlfahrer, die stattdessen den Bogen in den Schoß legen zum Zeichen dafür, dass sie das Schießen eingestellt haben. Der Sinn hinter der Regelung, die Linie unmittelbar nach dem letzten Schuss zu verlassen, ist wohl der, die ohnedies langen Turniere nicht unnötig auszudehnen. Darauf deutet auch der § 7.5.8 hin, dem zufolge der Schießleiter angehalten ist, das Zeichen zum Schützenwechsel bzw. zur Trefferaufnahme bereits vor Ablauf der Schießzeit zu geben, wenn die Schießlinie von allen Schützen freigemacht wurde.

Streng nach den Regeln ist die Verwendung eines Fernglases demnach an der Linie nach dem letzten Pfeil verboten. Einige meiner Kollegen wie auch ich selbst versuchen allerdings, den Sinn hinter einer Regel zu erkennen und diesen der Situation entsprechend anzuwenden, und nicht nur Regeln dem exakten Wortlaut folgend auszulegen. Genau das wäre es meiner Meinung nach, was einen guten Schiedsrichter auszeichnet. Wenn ein Schütze also seine drei Pfeile in 50 Sekunden abgeschossen hat und dann bei vollbesetzter Schießlinie einen Blick durchs Fernrohr riskiert, dann wird ein Schiedsrichter auch nicht einschreiten, zumal auch bei vollbesetzter Schießlinie nicht erkennbar ist, ob noch ein weiterer Pfeil folgt. Anders sieht die Sache aus, wenn es sich um einen der letzten oder gar den letzten Schützen handelt. Dies führt zu einer Verzögerung des Turnierablaufs und der Schiedsrichter wird den Schützen entsprechend ermahnen.

Den FITA-Regeln kann auch entnommen werden, dass ein Schiedsrichter hier alleine auf das Mittel der Ermahnung zurückgreift, was wiederum bedeutet, dass ein Blick durchs Fernrohr nach dem letzten Pfeil keinen Abzug eines Pfeils oder gar einen Ausschluss zur Folge hat. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Schützen in der Regel selbst bemüht sind, den Ablauf nicht unnötig zu verzögern. Den Fall, dass auch eine wiederholte scharfe Ermahnung durch den Schiedsrichter nichts fruchtet und ein Schütze absichtlich den Turnierablauf behindert, möchte ich hier nicht erörtern. Hier gelten dann andere Voraussetzungen. Den interessierten Leser verweise ich auf § 7.8.1.8 und § 7.8.4.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ein Schiedsrichter nicht verpflichtet ist, jede Entscheidung durch Vorlage des Regelbuches unter Angabe der exakten Stelle zu begründen. Dass der Schiedsrichter die Regeln beherrscht, hat er bei der Prüfung zum Erhalt der Lizenz hinreichend bewiesen. Gegebenenfalls wird ein Juryentscheid aufgrund eines Protestes (§ 7.10.5) unter Hinweis auf bestimmte Abschnitte im Regelbuch ausgefertigt.

Oft konnte ich beobachten, dass das Fernrohr im Warteraum aufgestellt wird, und die Information über die Trefferlage durch einen Betreuer oder eine Betreuerin mitgeteilt wird. Das ist möglich gemäß § 7.4.5, demnach ein Schütze auf der Schießlinie von den Mannschaftsbetreuern schießtechnische Hilfe und Informationen bekommen darf, vorausgesetzt die anderen Wettkampfteilnehmer werden nicht gestört. In der Regel erfolgt die Anzeige der Trefferlage über eine vorab vereinbarte Zeichensprache. Natürlich kann die Mitteilung auch mündlich erfolgen, doch riskiert man so schon mal einen Protest eines Kollegen, der sich dadurch gestört fühlt.

Bezüglich des Informationsaustausches gilt natürlich, dass die Verwendung eines Kopfhörers an der Schießlinie verboten ist. Geregelt wird dies in § 7.3.4 bzw. § 8.3.3.1, wonach jegliche elektronische Kommunikationsmittel oder Kopfhörer vor der Wartelinie verboten sind. Auf einem Feldparcour ist das Tragen von Kopfhörern bzw. die Verwendung elektronischer Kommunikationsmittel generell verboten (vgl. § 9.3.4.1).

Einen Sonderfall stellt der Mannschaftsbewerb in der Olympischen Runde dar. Hier gilt, dass sich die Mannschaftsmitglieder jederzeit gegenseitig unterstützen dürfen. Dies heißt, dass Informationen nicht nur von den Betreuern, sondern auch den Schützen des eigenen Teams vermittelt werden dürfen (vgl. § 7.4.5.1).

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