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Proteste


"Was soll das denn schon wieder, kennen die denn nicht mal die FITA-Regeln?" oder "Das lass‘ ich mir nicht gefallen, mit mir können die das nicht machen!" Ist die Spannung hoch, liegen die Nerven schon mal blank. Und so mancher fühlt sich im Laufe eines Turniers benachteiligt, ungerecht behandelt, glaubt, dass sich ein Schützenkollege, vom Schiedsrichter unbemerkt, einen regelwidrigen Vorteil verschafft hätte oder meint, dass das Turnier nicht den Regeln entsprechend ausgetragen wird.

Solche oder ähnliche Streitfälle oder als ungerecht empfundene Sachverhalte können in der Regel durch ruhige und sachliche Rücksprache mit den Schiedsrichtern aus der Welt geschafft werden. Wenn es aber einmal gar nicht anders geht, dann ist der schriftliche Protest das letzte Mittel, um zu seinem Recht zu kommen.

Proteste werden in den FITA-Regeln in den Absätzen 3.13 (Jury), 7.10 (Indoor), 8.10 (Outdoor) und 9.10 (Feld) behandelt. Darüber hinausgehend ergänzt der Absatz 10 der WKO die FITA-Regeln. In der Zusammensetzung der Jury unterscheiden sich WKO und FITA-Regeln allerdings. Gemäß WKO gehört der Organisationsleiter der Jury an, wohingegen dies in den FITA-Regeln ausdrücklich ausgeschlossen wird. Hier gilt für die in Österreich ausgetragenen Turniere, sofern es sich nicht um FITA-Großveranstaltungen handelt, die Regelung durch die WKO.

Wer darf protestieren?

Prinzipiell darf jeder Schütze bzw. dessen Mannschaftsführer einen Protest einlegen, sofern dies notwendig erscheint.

Wie lege ich einen Protest ein?

Ein Protest ist in jedem Fall schriftlich einzureichen und enthält neben einer kurzen Darstellung des Sachverhaltes die Begründung des Protestes und ggf. eine Auflistung eventueller Zeugen. Da in der Regel der Protestführer im Rahmen der Behandlung des Protestes gehört wird, sollte der Inhalt des Schriftstückes kurz gehalten werden.

Der Protest ist beim Organisationsleiter zusammen mit der Kautionsgebühr von ATS 300,– einzubringen. Wird dem Protest in Folge stattgegeben, wird die Protestgebühr wieder voll rückerstattet.

Wogegen kann ich protestieren?

Protest eingelegt werden kann gegen die Durchführung des Schießens oder das Verhalten eines weiteren Schützen sowie gegen Entscheidungen des Organisationskommitees und der Schiedsrichter. Davon ausgenommen sind ausdrücklich Schiedsrichterentscheidungen, die die Wertung eines Pfeiles betreffen (d.h. das Ermitteln der Ringzahl aufgrund der Lage des Schaftes in der Scheibe). Gegen solche Entscheidungen ist ein Protest nicht zulässig.

Gibt es Fristen?

In der Regel ist ein Protest so rasch wie möglich einzubringen, in jedem Fall vor Beginn der nächsten Wettkampfphase. Bspw. ist. gegen eine inkorrekte Ergebniswertung, die die Teilnahme an einem Finale betrifft, ein Protest vor Beginn des Finalschießens einzubringen. Genau geregelt werden die Fristen in Absatz 10.8 der WKO des ÖBSV. Speziell gilt, dass gegen den Austragungsmodus vor Beginn der Wertungspfeile ein Protest einzulegen wäre, gegen Ergebnisse binnen 15 Minuten nach deren Veröffentlichung, gegen Regelverstöße durch andere Schützen binnen 20 Minuten nach Ende der Wertungspfeile, in letzterem Falle jedoch besser sofort nach Bekanntwerden des Verstoßes und nicht erst nach Ende des Turniers.

Bezüglich eines theoretischen Protestes gegen einen Jury-Entscheid beim ÖBSV selbst verweise ich hier auf die WKO des ÖBSV. Allerdings zähle ich in diesem Fall auf die Ausbildung der ÖBSV-Schiedsrichter und die Sportlichkeit der Schützen, der diesen Fall ausschließen sollte. Fälle in denen es zu Diskussionen nach einer Jury-Entscheidung kam, traten meines Wissens bisher nur bei Wettkämpfen auf, die nicht von einem ÖBSV-Schiedsrichterteam geleitet wurden!

Geht’s auch anders?

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Protest mit Sicherheit das letzte Mittel, das zum Einsatz kommen sollte. Im Normalfall genügt es, den Schiedsrichter, gegebenenfalls den Organisationsleiter, Veranstalter oder Schießleiter auf eine Unstimmigkeit oder eine persönliche Benachteiligung hinzuweisen. Eine sachliche und ruhige Darstellung genügt in der Regel, um ein Missverständnis aufzuklären. Viele Fälle lassen sich so bereits im Ansatz unproblematisch aus der Welt schaffen, ehe sie durch einen Protest große Wellen schlagen.

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