| | |

Übersicht      <<      2000 (4)      >> 

Ergebnisse des letzten Schiedsrichterseminars


Am 25./26.November 2000 fand in Steyrermühl ein Fortbildungsseminar für ÖBSV-Schiedsrichter statt. 19 Teilnehmer diskutierten die letzten Regelneuerungen im FITA-Scheiben- und –Feldbereich und frischten ihre Regelkenntnisse auf. Die auch für Schützen interessanten Ergebnisse möchte ich nachfolgend zusammenfassen.

Feldschießen – Position am Pflock: Die Regeln (§ 9.4.1) besagen, dass der Schütze "... eine Schießposition möglichst nah hinter dem Abschusspflock ..." einnehmen muss. Die Schiedsrichter achten bei der Kursabnahme darauf, dass beide Positionen gleichwertig sind, der Schütze unmittelbar hinter dem Pflock einen sicheren Stand einnehmen kann, das Scheibenbild von dieser Position aus voll einsehbar ist und die Flugbahn des Pfeiles frei ist von Behinderungen. Unter diesen Voraussetzungen ist es dem Schützen nicht gestattet, eine ihm angenehmere Abschussposition in größerer Entfernung vom Pflock zu wählen! Schiedsrichter, die ein solches Verhalten beobachten, werden den Schützen verwarnen und entsprechend zurecht weisen.

Feldschießen, Scheibenschießen – Schießtechnik und Sicherheit: Gleich an mehreren Stellen im Regelbuch (§ 7.8.4.7, § 7.8.1.9, § 8.7.1.12, § 8.8.4.7, § 9.8.3.6 u.a.) wird darauf hingewiesen, dass "... ein Wettkämpfer beim Spannen des Bogens keine Technik verwenden darf, die es ... möglich macht, dass ein Pfeil, der unbeabsichtigt gelöst wird, über die Sicherheitszone oder Sicherheitsvorkehrungen ... hinausfliegt." Speziell bei Bergabschüssen im Gelände kann man immer wieder Schützen beobachten, die den Bogen waagrecht Ausziehen, um ihr "T" aufzubauen, und erst in vollem Auszug in der Hüfte nach unten knicken. In der Regel ist kein ausreichender natürlicher oder künstlicher Pfeilfang vorhanden, sodass ein ungewollt gelöster Pfeil zur unberechenbaren Gefahr wird.
Die Schiedsrichter sind angehalten, eine derartige Technik sofort zu unterbinden. Schützen, die darauf bestehen, eine derartige Technik zu verwenden, werden ohne eine Verwarnung von der weiteren Wettkampfteilnahme ausgeschlossen (vgl. bspw. § 8.7.1.12).

Insgesamt wurde dem Thema Sicherheit speziell in Zusammenhang mit der Abnahme von Feldkursen im Rahmen des Schiedsrichterseminars viel Aufmerksamkeit gewidmet. Durch die Einbindung des EAA-/IFAA-Bereichs wird der Einsatzbereich der Schiedsrichter erweitert und gerade in diesen Bereichen erachten die ÖBSV-Schiedsrichter einen Nachholbedarf seitens der Veranstalter in Bezug auf das Sicherheitsbewusstseins.

Feldschießen, Scheibenschießen – geleitetes Training: Zur Sicherheit zählt auch die Leitung des Trainings über akustische Signale. Im Scheibenschießen wird das Training in der Regel über die Ampel gesteuert. Im Feldschießen sind die ÖBSV-Schiedsrichter dazu angehalten, für ein über akustische Signale geleitetes Training (mittels Pfeiferl) zu sorgen. Die Signalgabe erfolgt dabei analog zum Scheibenschießen (1 Pfiff = Schießbeginn, 2 Pfiffe = Schützenwechsel, 3 Pfiffe = Holen der Pfeile, 5 und mehr Pfiffe = Gefahr, Schießen sofort einstellen).

Scheibenschießen – Auflagenwechsel: Von Schiedsrichtern zunehmend beobachtet wird die Unsitte einiger Schützen, durch Herunterreißen ihrer Auflage selbst für einen Scheibenwechsel zu sorgen. Ich möchte Euch daran erinnern: wer meint, seine Auflage müsse gewechselt werden, teilt dies dem Schiedsrichter mit. Dieser kann, sofern er es für notwendig erachtet, den Wechsel der Auflage veranlassen. Keinesfalls aber steht es dem Schützen zu, diese Entscheidung zu treffen!

Scheibenschießen, Feldschießen – B-Schiedsrichter als leitender Kampfrichter in einem FITA-Stern-Turnier: Gemäß den Regeln der WKO und der Einsatzbestimmungen für ÖBSV-Schiedsrichter leitet ein A-Schiedsrichter ein FITA-Stern- oder FITA-Arrowhead-Turnier. Sollte der für die Leitung des Turniers verantwortliche A-Schiedsrichter am Wettkampftag unvorhergesehenerweise verhindert sein, so kann in einem solchen Fall auch ein B-Schiedsrichter als Hauptschiedsrichter agieren und dieses Turnier nach bestem Wissen und Gewissen leiten. In diesem Ausnahmefall ist dieses Vorgehen durch den ÖBSV gedeckt.

Mit Nachdruck möchte ich betonen, dass es in keinem Fall zulässig ist, dass ein zufällig anwesender Schiedsrichter ersatzweise gleichzeitig als Schiedsrichter agiert und am Turnier als Schütze teilnimmt (und das gilt generell und nicht nur für FITA-Stern-Turniere!). Wohl aber kann er als Schiedsrichter fungieren, wenn er auf seine Turnierteilnahme verzichtet.

Feldschießen – ein Pfeil gilt auch dann als nicht geschossen, wenn der Schütze beim Einlegen des Pfeiles einen Pfeil verliert und dieser unglücklicherweise einen Abhang hinunter kollert, somit also für den Schützen nicht mehr erreichbar ist. Dabei wird das Hantieren beim Einlegen des Pfeils nicht als "Schuss" verstanden. Die ÖBSV-Schiedsrichter haben sich auf dieses Vorgehen geeinigt, bis eine entsprechende Regelung im FITA-Regelbuch Klarheit schafft.

Feldschießen – Schießen auf Mehrfachauflage in 3-er Gruppen: In einer 3-er Gruppe bestimmt der allein schießende Schütze vor Turnierbeginn, von welchem Pflock (oder welcher Seite des einzigen Pflocks) aus er auf die Scheibe schießen möchte. Diese Wahl ist für das gesamte Turnier bindend. Basierend auf dieser Wahl ergibt sich automatisch das entsprechende Scheibenbild beim Schießen auf Mehrfachauflagen (vgl. dazu § 9.5.3.1 und § 9.5.3.2).

Feldschießen – Pfeile in der falschen Auflage: Schießt ein Schütze bei Verwendung einer Mehrfachauflage irrtümlich auf eine falsche Reihe bzw. Auflage, so hat der nachfolgende Schütze kein Recht zu verlangen, dass diese Pfeile entfernt werden, ehe er das Schießen aufnimmt. Ungeachtet eventuell steckender Pfeile hat jeder Schütze auf seine ihm zugewiesene Auflage zu schießen.

Scheibenschießen, Feldschießen – Nachrechnen der Scoreblätter: Vom Veranstalter sind zumindest die Scoreblätter jener Schützen nachzurechnen, die einen Medaillenrang, ein Leistungsabzeichen oder einen Rekord erreicht, ein Ergebnis um den Cut beim Einzug in ein Finale erzielt haben oder ringgleich sind.

Scheibenschießen, Feldschießen – Ankerschiene und/oder eine Versteifung im Tab eines Blankbogenschützen, etwa eine Metallschiene, sind zugelassen.

Scheibenschießen – Gelblicht im Mannschaftsfinale: Im Mannschaftsfinale wird 1m hinter der Schießlinie eine weitere Linie gezogen. Diese Linie darf vom ersten Schützen erst nach dem Signal zum Schießen, von den weiteren Schützen erst übertreten werden, nachdem der vorangehende Schütze hinter die 1m-Linie zurückgekehrt ist. Bei internationalen Großveranstaltungen schaltet ein Schiedsrichter ein Gelblicht vor der Mannschaft ein als Zeichen dafür, dass die Linie zu früh überschritten wurde und der Schütze wieder hinter die 1m-Linie zurückzukehren hat.

Im Rahmen von ÖBSV-Meisterschaften wird das korrekte Einhalten der 1m-Linie wie bisher von den Schiedsrichtern überwacht. Bei Nichteinhaltung wird der Mannschaftsführer entsprechend ermahnt und im Wiederholungsfall die Mannschaft aus der Wertung genommen. Die unmittelbare Anzeige scheint organisatorisch nicht bewältigbar.

Weitere Ergebnisse werde ich in einem der weiteren Artikel an entsprechender Stelle nachtragen.

Übersicht      <<      2000 (4)      >>