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Uuuupsh – Pfeile vergessen


Pfeile ziehen vergessen

Gelassen geht der Schütze vor an die Schießlinie. In gewohnter Weise nimmt er seine Haltung ein. Zuversichtlich blickt er dem nächsten Schuss entgegen. Die Hand greift zum Köcher - aber wo sonst die Pfeile stecken, gähnt diesmal eine große Leere. Das Adrenalin schießt ein: "Sch.., die Pfeile ... vergessen!" Die Ampel springt auf Grün, was jetzt?

Nun, so weit kommt es meist gar nicht. Das Ziehen der Pfeile ist ein Automatismus, die Kontrolle der Pfeile beim Zurückgehen von der Scheibe zur Schießlinie für viele Schützen ein tief verwurzeltes Ritual. Vergisst man mal darauf, dann gibt es immer noch Scheibenpartner oder Schützenkollegen, die einen freundlich auf die kleine Unachtsamkeit aufmerksam machen, oder einer der Schiedsrichter entdeckt die Pfeile.

Und dann ist da noch der Schießleiter an der Ampel, dessen Aufgabe es ist, sich nach der Trefferaufnahme zu vergewissern, ob nicht noch Pfeile in den Scheiben stecken. Erst dann gibt er das Zeichen zum Fortsetzen des Schießens (vgl. FITA-Regeln Absatz 7.6.15 und 8.6.13). Verantwortungsvolle Schießleiter haben dazu auf ihrem Tisch ein Fernglas liegen, mit dessen Hilfe sie die Scheibenreihe absuchen.

Trotz allem, es kann mal passieren. So geschehen bei den diesjährigen ÖSTM Scheibe in Schwaz.

Die FITA regelt diesen Fall wie folgt (§ 7.6.15, 8.6.13) : ".. Passiert dies zufällig doch, dann wird das Schießen nicht unterbrochen. Der Schütze kann diese Passe mit anderen Pfeilen schießen oder kann die Pfeile nach Beendigung der Distanz nachschießen. .."

Die FITA hat also durchaus Verständnis für kleine menschliche Schwächen, zumal sich der Schütze mit dem Nachschießen der Pfeile keinen persönlichen Vorteil verschafft.

Daher gilt für den Schützen zunächst Ruhe zu bewahren. Steht die andere Gruppe an der Schießlinie, hat man Zeit, sein Problem dem Schiedsrichter mitzuteilen. Hat man weitere Pfeile im Köcher, dann wird man diese Pfeile schießen. Sofern man seinen Fehler erst auf der Schießlinie erkennt, informiert man den Schiedsrichter eben nach dem Schießen, wieder vorausgesetzt, man hat Reservepfeile dabei. Der Schiedsrichter nimmt anschließend an der Trefferaufnahme teil und sorgt dafür, dass die Pfeile der zuvor geschossenen Passe identifiziert und die "neuen" Pfeile korrekt gewertet werden.

Hat man keine Reservepfeile im Köcher oder weiß man einfach nicht, was tun, dann tritt man von der Schießlinie zurück, und macht einen Schiedsrichter durch Heben der Fahne auf sich aufmerksam und teilt ihm sein Problem mit.

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: wartet bitte etwas, bis der Schiedsrichter euch wahrgenommen hat. Gerade wenn das Schießen erst begonnen hat und die Linie recht voll ist, kann es eine Zeit dauern, bis er euch sieht. Vermeidet es zu brüllen oder durch Rufen auf euch aufmerksam zu machen. Eure Kollegen an der Schießlinie haben ein Recht darauf, ihre Pfeile ungestört zu schießen!

Die FITA schreibt nun vor, die Pfeile am Ende der Distanz nachzuschießen. In der Regel wird der Schiedsrichter dem Schützen aber schon vorher die Gelegenheit einräumen, seine Pfeile nachzuschießen. Befolgt hier bitte einfach seine Anweisungen. Er wird unter Berücksichtigung weiterer Regeln und im Sinne eines zügigen Ablaufs entscheiden.

Tab verloren

Ähnlich gelagert ist der Fall, wenn ein Schütze sein Tab auf dem Weg zur oder von der Scheibe verloren oder hinter der Wartelinie ausgestreut hat. Hier gilt das Gleiche wie für die vergessenen Pfeile. Ein versierter Schütze hat natürlich für diesen Fall ein Reservetab im Köcher, aber nicht jeder will wahrhaben, dass auch ihm so etwas einmal passieren könnte. Dieser Fall ist in den Regeln nicht ausdrücklich angeführt, die Regeln lassen sich jedoch basierend auf dem oben genannten Absatz in dieser Weise interpretieren. Also, sofern kein Reservetab vorhanden, zurücktreten und den Schiedsrichter herbeiwinken!

Lästige Insekten

Schwierig wird der Fall, wenn eine Wespe oder Biene sich in den Kopf gesetzt hat, dich durch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu erfreuen, oder die Mücke, die beschlossen hat, ausgerechnet in deinem Auge ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Allergiker zeigen verständlicherweise großen Respekt vor Bienen und Wespen. Es liegt nicht im Sinne der FITA sie zu zwingen, unter solchen Ausnahmesituationen zu schießen. Andererseits ist Bogenschießen ein Freiluftsport und jeder Schütze erhält ausreichend Zeit, seine Pfeile trotz Insektenbelästigung ins Ziel zu bringen.

Die FITA-Regeln decken eine solche Situation nicht ausdrücklich ab. Dennoch würde ich bei nationalen Wettkämpfen von der Schießlinie zurücktreten und dem Schiedsrichter vertrauen, eine faire Lösung zu finden. Allerdings kann man sich hier nicht darauf verlassen, dass man seine Pfeile nachschießen darf, zumal eine solche Situation auch als Ausrede dienen könnte, wenn die Zeit zum Schießen der Pfeile mal nicht reicht. Die Beurteilung der Situation bleibt dem Schiedsrichter vorbehalten, seine Entscheidung ist damit nicht voraussagbar.

Mentale Vorbereitung

Noch ein kleiner abschließender Tipp: kleine Pannen und andere Ausnahmesituationen lassen sich natürlich mental trainieren. Dabei soll nicht ein Fehler trainiert werden, sondern die souveräne Lösung eines möglichen Problems. Stelle dir so realistisch wie möglich eine Bogensportanlage und einen Wettkampf vor, das Feld, die Schützen, die Scheiben, den Bogen, Gerüche und Geräusche. Beispielsweise bemerkst du, dass dein Tab fehlt. Vielleicht hast du es auf deinem Sitz liegen gelassen. Du bleibst ruhig und gelassen. Du nimmst deinen Reservetab aus dem Köcher. Im Training hast du beide Tabs abwechselnd geschossen, sie sind also völlig gleichwertig. Lege den Reservetab an und mache den ersten Schuss. Du fühlst, er ist dir perfekt gelungen und der Pfeil steckt im X.

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