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Die Ausrüstung des Blankbogenschützen im FITA-Feld-Bereich


Bereits einmal habe ich ausführlich die Ausrüstung des Blankbogenschützen diskutiert (vgl. "Bogensport" 2/1995). Seitdem haben sich die Regeln in einigen Punkten wesentlich geändert. Nachfolgend möchte ich daher die entsprechenden Regeln zusammenfassen, ohne die Bestimmungen der FITA wörtlich zu zitieren.

Mittelstück und Wurfarme

Der Blankbogen besteht aus dem Mittelstück, den beiden Wurfarmen und der Sehne. Der Vollständigkeit wegen sei darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Rollen und Kabeln, wie sie beim Compound-Bogen Verwendung finden, genauso wie die Verwendung eines Releasers als Ablasshilfe verboten sind. Verboten sind ebenfalls Peepsight, Visier, Wasserwaage und Overdraw. All dies entspricht aber ohnedies dem Selbstverständnis des Blankbogenschützen.

Mehrfarbige Mittelstücke sind inzwischen in der Klasse Blankbogen zugelassen. Dies beinhaltet auch Bögen in Tarnfarbgebung (Camouflage).

Das Mittelstück darf keinerlei Markierungen oder Flecken aufweisen, die als Zielhilfe dienen könnten. Als Markierungen können auch Lackabsplitterungen insbesondere im Kantenbereich des Schussfensters interpretiert werden, wie sie beim unachtsamen Einlegen des Pfeils verursacht werden. Vor dem Turnier sind derartige Kerben auszubessern, um Diskussionen mit dem Schiedsrichter zu vermeiden.

Die Innenseite des oberen Wurfarmes darf kein Firmenzeichen aufweisen. Die Versicherung, dass diese Aufkleber ohnedies nicht als Zielhilfen verwendet werden, genügt in diesem Falle nicht. Die FITA-Vorschriften sind hierzu unmissverständlich.

Zusatzgewichte

Zusatzgewichte dürfen an der unteren Hälfte des Mittelstücks befestigt werden. Allerdings müssen diese Gewichte direkt mit dem Bogen verbunden bzw. verschraubt werden. Die Verwendung von Dämpfern jeglicher Art zwischen Zusatzgewicht und Mittelstück ist ausdrücklich untersagt. Die Formgebung der Zusatzgewichte unterliegt keiner Regelung.

Gesamtdurchmesser

Als zusätzliche Regel gilt, dass der Bogen mitsamt den Zusatzgewichten im abgespannten Zustand durch einen Ring mit einem Innendurchmesser von 12,2 cm (+/- 0,5mm) Durchmesser passen muss.

Sehne und Mittelwicklung

Die Sehne selbst gibt von Seiten der Schiedsrichter aus selten Anlass zur Kritik. Mehrfarbige Sehnen sind zwischenzeitlich erlaubt. Verboten sind allerdings nach wie vor jedwede Markierungen auf der Sehne, die dem Zwecke des Zielens dienen. Strangzahl und verwendetes Material liegen im Ermessen des Schützens.

Öfter vernachlässigt wird von den Schützen die Regel, dass die Mittelwicklung nicht in deren Gesichtsfeld enden darf. Im gesamten Visierbereich (in der Regel von 5 bis 50 Meter) ist diese Regelung zu beachten. Es genügt nicht, dass die Mittelwicklung für eine bestimmte Entfernung diese Bedingung erfüllt. Beim Stringwalking ist der relativ große Bereich zu beachten, über den das Ende der Mittelwicklung nach oben oder unten wandert. Es empfiehlt sich daher, die Mittelwicklung entsprechend weit nach oben zu wickeln, um unliebsame Überraschungen bei der Gerätekontrolle zu vermeiden. Auch hier gilt, dass alleine die Beteuerung, den Endpunkt der Mittelwicklung als Zielhilfe ohnedies nicht zu verwenden, nicht genügt.

Betreffend der Mittelwicklung möchte ich darauf hinweisen, dass eine in Eindrehrichtung der Sehne gewickelte Mittelwicklung mit dem Eindrehen der Sehne zunehmend zusammengepresst wird. Selbst bei intensivem Einsatz des Fingernagels beim Stringwalking bleiben so keine Kerben in der Mittelwicklung zurück.

Pfeilauflage, Button und Anlageplatte

In den letzten Tagen haben die Neuregelungen betreffend die Pfeilauflage zu heftigen Diskussionen Anlass gegeben. Endgültig klären lassen sich die Fragen dazu wohl erst mit dem Erscheinen der aktuellen FITA-Regeln (was unter Umständen zum Zeitpunkt der Auslieferung dieses Magazins bereits der Fall sein könnte).

Der entsprechende Passus in den FITA-Regeln lautet wie folgt:

FITA, Artikel 9.3.3.3: Eine Pfeilauflage, die verstellbar sein kann und nur an der Fensterseite des Bogens befestigt sein darf, ein beweglicher Druckpunkt, Pfeilanlage oder Anlageplatte dürfen sich am Bogen befinden, vorausgesetzt sie sind nicht elektrisch oder elektronisch, dienen nicht als (verstellbarer) Overdraw und stellen keine zusätzliche Zielhife dar.

Die Pfeilauflage darf also in der Blankbogenklasse ausschließlich am Bogenfenster des Mittelstücks befestigt sein und nur mechanisch (oder magnetisch) sein. Es sind darüber hinaus solche mechanischen Pfeilauflagen verboten, die an der Rückseite des Mittelstücks befestigt werden oder durch eine Bohrung im Mittelstück befestigt und an der gegenüberliegenden Seite fixiert werden. Sofern die Befestigung den Regeln entspricht können die Auflagefinger jedoch sowohl horizontal als auch vertikal verstellbar sein.

Diese neue Regeländerung trat gemäß Aussendung des ÖBSV mit dem Feldturnier in Zwettl am 20./21.5.2000 in Kraft.

Pfeile

Betreffend der verwendeten Pfeile sei darauf hingewiesen, dass Jagdbogenspitzen nicht verwendet werden dürfen. Die Pfeile sind am Schaft durch Initialen oder den Namen zu kennzeichnen. Der Passus, wonach alle Pfeile die gleiche Länge aufweisen müssen, wurde zwischenzeitlich gestrichen. Bezüglich der Farbgebung müssen alle Pfeile, die auf eine Scheibe geschossen werden, einander gleichen mit Ausnahme der Beringung (unterschiedliche Anzahl der Ringe) auf den Schäften in der Waldrunde.

Der Pfeildurchmesser darf maximal 11 mm betragen. Mit 1. April 2001 soll der Durchmesser dann auf 9,3 mm beschränkt werden.

Fingerschutz und Tabs

Ein Fingerschutz (Tab, Handschuh, Klebeband oder ähnliches) darf verwendet werden. Ausdrücklich erlaubt ist die Verwendung eines Fingertrenners und einer Ankerplatte. Auf beide Zusätze wird von Seiten der Schützen beim Stringwalking aus schusstechnischen Gründen in der Regel jedoch verzichtet. Die Entscheidung bleibt dem Schützen jedoch freigestellt.

Die Tabs sollen frei sein von Markierungen. Nicht verboten ist hingegen die Verwendung von genähten Tabs, deren große (aber gleichmäßige) Nahtstiche in der Regel nicht unbedingt materialtechnischen Zwecken dienen. Auf jeden Fall aber muss das Obermaterial des Tabs glatt sein und darf keine Häkchen besitzen, die das Halten der Sehne erleichtern könnten.

Ferngläser, Brillen, Armschutz und weiteres Zubehör

Ferngläser bzw. Teleskope dürfen von den Schütze jederzeit verwendet werden, vorausgesetzt sie weisen keine Skalen oder Vorrichtungen auf, die der Entfernungsmessung dienen. Das Wort "jederzeit" bedeutet, dass der Schütze in der FITA-Feldrunde bereits vor dem ersten Schuss ein Fernglas verwenden darf. Die Benutzung des Fernglases fällt allerdings bereits in die Schießzeit.

Brille, Schießbrille und Sonnenbrille dürfen verwendet werden, vorausgesetzt sie sind nicht mit einer Markierung, Mikrolochlinse oder Ähnlichem ausgestattet, das in irgendeiner Weise als Zielhilfe dienen kann. Ein Auge darf abgedeckt werden.

Selbstverständlich können Zubehörartikel wie Armschutz, Brustschutz, Bogenschlinge und Köcher verwendet werden.

Verbotenes

Definitiv verboten sind für das Feldbogenschießen jegliche Entfernungsmesser sowie elektronische Aufzeichnungsmittel. Zu letzteren zählen etwa Fotoapparate. Deren Verwendung verbietet sich schon aus der Überlegung, daß Objektive mit Autofocusvorrichtung die Entfernung zum Objekt anzeigen und daher zur Entfernungsmessung verwendet werden könnten. Darüber hinaus sind alle Aufzeichnungen mit Ausnahme der FITA-Regeln selbst verboten, die über die Notierung der laufenden Ergebnisse hinausgehen.

Nicht angeführte Ausrüstungsgegenstände gelten in der Regel automatisch als verboten. Dazu gehören etwa Ohrenschützer im Sinne von Gehörschutz, soferne sie nicht als Schlechtwetterkleidung gelten, und Walkmen.

Ich hoffe damit die wesentlichsten Fragen zur Ausrüstung des Blankbogenschützen geklärt zu haben. Sollten weitere Fragen auftauchen, so wendet Euch bitte an die Redaktion oder direkt an mich. Ich werde mich bemühen, diese Fragen in der nächsten Ausgabe zu beantworten.

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